Alles für die Katz

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Der Gedanke der Personalisierung des eigenen Arbeitsplatzes eskaliert vielerorts – und die eigene Bedürfnismatrix geht vor die Hunde, äh zur Katz, oder so.

 

Kollegin U. ist besessen von Katzen und deren Devotionalien. Konkret bedeutet das: Katzen-Sujets überall – Ausdrucke am Arbeitsplatz, Katzen-Konterfei-Scribble-Postings am Computer-Monitor bis hin zu Katzen-Postkarten am Arbeitsschrank im Hintergrund. Und ja: hier ist Toleranz gefragt, vor allem wenn man eine exorbitante Katzenhaar-Allergie sein Eigen nennen darf. Ok, von den Katzen-Bildern klingt sich mein Organismus nicht ständig aus und führt mir allergietechnisch meine Vergänglichkeit vor Augen, aber das Damoklesschwert ist gefühlt überall.

 

Und weil Katzenmenschen gleichzeitig auch Missionare sind, wollen sie andere Menschen mit ihrer Katzeneuphorie anstecken. Also habe ich seit einiger Zeit auch Katzen-Konterfei-Postings bei mir auf dem Computer-Monitor kleben. Eine wurde sogar „Franzi-Katze“ benannt bzw. beschriftet – irgendwie voll arg, wie ich finde. Und die anderen Kollegen sind in den vergangenen Monaten mitgezogen: Der Kollege, der mich bei der Weihnachts-Wichtelsause gezogen hatte, hat mir eine Katzenweihnachts-Karte, einen Katzen-Jahres-Kalender und andere Katzen-gebrandete Utensilien zukommen lassen – irgendwie noch viel ärger.

 

Aber ich habe gelernt, mit Angst, Demütigung und Perspektivenlosigkeit in puncto Arbeitsplatzgestaltung umzugehen und die ostentativ-gelebten persönlichen Interessen der Kollegen zu tolerieren. Denn der Bürofriede muss gewahrt bleiben und vielleicht habe ich auch mal die Möglichkeit, meine Kollegen emotional mit Dingen oder Lebewesen mitzureißen, die mich so beschäftigen (aktuell wäre es der Dickmaulrüssler – terrorisiert meinen Garten und ich befinde mich im seit geraumer Zeit im totalen Ausnahmezustand, also in der Fokussierung auf dieses Lebewesen und dessen Ausrottung).

 

Was aber noch wichtiger ist: Man muss sich selbst treu bleiben und Katzenmenschen und deren Euphorie auf Distanz halten. Das ist enorm wichtig. Sag ich mir immer – und dann kann ich mich jeden Morgen in den Spiegel schauen und weiß: Du bist stark und hältst mutig dagegen, also gegen diese ideologische Unterminierung von Kollegin U. Apropos stark: Jetzt ist ja dann bald Monatswechsel und im Juli wird im Katzenkalender wieder eine neue Seite aufgeschlagen. Hm – aber irgendwie freue mich schon jetzt auf das neue Katzengesicht hier rechts neben mir. Verdammt.

Franz

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