We Burn the World – Plädoyer für eine verantwortungsbewusste Ressourcennutzung!

By 24. September 2018 News No Comments
Lebensmittel

24. September – Wenn ich diesen Blogbeitrag heute vor genau 10 Jahren verfasst hätte, so könnte ich an dieser Stelle darüber berichten, dass das gestrige Datum den jährlichen „Welterschöpfungstag“ markierte. Ich würde davon schreiben, dass die Fähigkeit der Natur, die weltweit benötigten Rohstoffe zu erzeugen und emittierten Schadstoffe abzubauen, nun seit dem 23ten September 2008 erschöpft ist, wir ab nun über unseren Verhältnissen leben und unser Öko-Schuldenberg weiterwächst. Nun haben wir nicht 2008, sondern 2018 – diese Probleme sind aber leider auch 10 Jahre später noch evident – haben sich sogar drastisch verschärft. Mittlerweile bin ich mit meinem Beitrag fast zwei Monate zu spät dran, denn der heurige „Welterschöpfungstag“ war bereits am 01. August.

Warum aber rückt dieses markante Datum Jahr für Jahr weiter nach vorne? Grob gesagt können dafür zwei Gründe genannt werden:

1. Der rasante Anstieg der Weltbevölkerung seit Mitte des 20ten Jahrhunderts
85.000 – Um so viele Menschen ist die Weltbevölkerung, zu Beginn meines heutigen Arbeitstages um 9 Uhr, seit Mitternacht bereits gewachsen. Wenn ich das Büro wieder verlasse, dann werden es schon doppelt so viele sein, am Ende des Tages fast 230.000 Personen! Binnen eines Jahres wird sich das Ganze auf 82 Millionen aufsummieren. Zweiundachtzig Millionen – Das entspricht ziemlich genau einem Land der Größe Deutschlands. Jedes Jahr. Unvorstellbar, finde ich.

2. Der immer ressourcenintensivere Lebensstil, vorwiegend in der westlichen Welt
Auf den drastischen Anstieg der Weltbevölkerung haben wir „normale“ Bürger der „westlichen Welt“ leider keinen unmittelbaren Einfluss, da dieser vorwiegend in den Entwicklungsländern passiert. Worauf wir allerdings enorm Einfluss nehmen können, ist unser persönlicher Ressourcenverbrauch und der daraus resultierende ökologische Fußabdruck – und der ist im Schnitt viel zu hoch. Würden beispielsweise alle Menschen der Welt einen europäischen Lebensstandard pflegen, so bräuchten wir drei Erden um die notwendigen Kapazitäten zu decken. In Österreich beispielsweise fand der Welterschöpfungstag heuer bereits am 15.04. statt, in den USA gar am 15.03.

Was können wir dagegen tun?
Oft bekomme ich in Diskussionen über den Ressourcenverbrauch vom Gegenüber zu hören „Ja, aber alleine kann ich ja ohnehin nichts verändern“. Stimmt schon, alleine wird man durch sein Konsumverhalten leider keine tiefgreifende Kursänderung erwirken können. Mit demselben „Argument“ könnte man sich allerdings auch demokratischer Wahlen verwehren, da „eine einzelne Stimme ja eh nichts ändert“. Trotzdem gehen wir – Gott sei Dank – in großer Mehrheit immer noch wählen, weil es in der Gesamtheit eben doch etwas bringt. Warum haben wir dieses Denken in dem einen Fall und in dem anderen nicht?

In Wahrheit sind wir einfach zu bequem, uns zu ändern, und schieben daher die Verantwortung an andere ab – vorzugsweise an die Politik. Diese feiert derweil seit drei Jahren ein Klimaabkommen, mit einem Erwärmungs-Ziel von im Idealfall 1,5, eher aber 2 Grad Celsius, das unseren Ökosystemen jedoch immer noch massiven Schaden zufügt und deren genaue Umsetzung noch dazu nach wie vor völlig unklar ist. Das Abkommen ist zudem nicht rechtlich bindend. Wie gut der Einsatz eines laxen rechtlichen Rahmens in der Praxis funktioniert, sah man bereits am Vorgängermodell, dem Kyoto-Protokoll, aus dem Kanada im Jahr 2011 ohne Konsequenzen einfach ausstieg, als man sich plötzlich Strafzahlungen in Milliardenhöhe für nicht eingehaltene Klimaziele gegenübersah. Um möglichst viele Länder mit an Bord zu bekommen, setzte man dieses Mal auf „freiwillige Selbstverpflichtung“. Jedes Land soll nun selbst über seinen Beitrag entscheiden. Die Problematik dabei: Die bisherigen nationalen Klimaschutzpläne reichen bei Weitem nicht aus, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Ähnlich auch bei uns in Österreich: Vor kurzem wurde stolz die österreichische Klimastrategie präsentiert, die jedoch weitgehend ohne konkreten Zeitrahmen oder Budget auskommt. In einer Zeit, in der wir voll auf die weltweite Klimakatastrophe zusteuern, wird der Autobahn-140er zur obersten politischen Priorität unseres Verkehrsministers, der den Fahrern auf der Teststrecke von 44,6 Kilometern ganze 88 Sekunden Zeitersparnis einbringt. Selbstverständlich bei überproportional hohen Treibhausgas- und Feinstaubemissionen. Ist ja eh schon wurscht!

Unsere persönliche Verantwortung
Die Politik ist demzufolge meiner Meinung nach zunächst nicht das beste Pferd, auf das man in Sachen Umwelt- und Klimaschutz setzen sollte. Die Wirtschaft wird das langfristige Wohl des Planeten wohl eher auch nicht über den kurzfristigen Profit stellen. Es wird sie aber beide freilich auf langfristige Sicht für eine erfolgreiche, weltweit koordinierten Klimapolitik benötigen.

Worauf ich nun eigentlich hinaus möchte: In dem Triumvirat Politik-Wirtschaft-Gesellschaft sind eigentlich wir, die Konsumenten, der stärkste und einflussreichste Player. Das muss uns bewusst werden. Nicht als einzelner, aber in der Masse – und daher müssen auch wir ein gewisses Maß an Verantwortung übernehmen. Druck auf Politik und Wirtschaft für eine langfristige Klimastrategie erzeugen, die es Wert ist, als solche bezeichnet zu werden. Im Bereich gentechnisch veränderter Lebensmittel haben wir genau das in Europa weitgehend geschafft: Aufgrund der Weigerung der Konsumenten, auf diese Weise hergestellte Produkte zu kaufen, besteht für diese schlicht kein Markt. In Österreichs Supermärkten findet sich beispielsweise kein einziges direkt gentechnisch verändertes Produkt. Es besteht zudem ein Anbauverbot von gentechnisch manipulierten Pflanzen auf heimischen Felder. Über das eigene Konsumverhalten lässt sich also, wie man sieht, sehr viel steuern.

Wie komme ich nun am besten zu einem Abschluss? Mein Ziel mit diesem Blogbeitrag ist es nun natürlich nicht, jeden Leser/jede Leserin zum Seitan-Schnitzel-essenden Kampfradler zu erziehen, ich möchte eigentlich nur dazu anregen, sich den einen oder anderen Gedanken über den eigenen Ressourcenverbrauch zu machen und diesen auch kritisch zu hinterfragen.
Dann drängen sich vielleicht Fragen auf wie:

1. „Ist es notwendig für eine Strecke von geringer Distanz bei gut ausgebauter öffentlicher Infrastruktur das Auto zu nehmen, oder fahre ich stattdessen lieber mit dem Rad bzw. gehe zu Fuß?“
2. „Ist es vertretbar, um 19 Euro übers Wochenende zum Shoppen nach Rom zu fliegen?“
3. „Geht mir etwas ab, wenn ich nicht 1-2x täglich Fleisch konsumiere?“
4. „Schmeckt mir der Salat vielleicht auch ohne die Avocado aus Südamerika?“

Diese Liste darf und soll natürlich beliebig erweitert werden :)! Und wenn wir diesen Fragen auch Taten folgen lassen und unser (Alltags-)verhalten verändern, so gelingt es uns vielleicht in Zukunft, den Welterschöpfungstag wieder etwas weiter nach hinten zu verschieben.

Wir sind die Generation, die es in der Hand hat, das Ruder in Sachen Umwelt- und Klimaschutz noch herumzureißen, auf die man in 100 Jahren kritisch zurückblicken wird, und dann hoffe ich nicht, dass folgende Frage gestellt wird:
„Warum habt ihr, wider besseren Wissens, nichts getan?“

Florian

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