Nicht für die Uni, für´s Leben studieren wir – aber wie gut ?

Nicht für die Uni, für´s Leben studieren wir – aber wie gut ?

By 17. Oktober 2017 Über uns No Comments
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Die  Abwandlung einer alten Binsenweisheit  (ersetze Uni durch Schule) klingt abgedroschen, ist aber für mich ein Sprungbrett gewesen, darüber nachzudenken, was mein Team eigentlich vom Studium bei uns in der Agentur umsetzen kann – oder eben „by doing“ dazu lernt. Wie sehr geht der universitäre Lehrplan auf die Digitalisierung ein – und auf die neuen Kanäle des direkten Dialogs im Socialmedia Bereich – wie stark auf das Medium Film, DEM Storytelling Kanal der Gegenwart?

Summary: Auch wenn das „Sample“ von 6 befragten jungen Kräften nicht repräsentativ ist – ein paar Dinge geben mir zu denken:

Warum ist der Absolvent des Joanneums in Graz in der Beurteilung seiner Schule euphorischer? Das führe ich auf das Argument einer niedrigeren Schülerzahl verbunden mit einer dadurch intensiveren Betreuung zurück.

Warum beurteilt ein Studentin der „Publizistik“ an der UniWien besser, als ihre Kolleginnen – hatte sie mehr Glück mit ihren Fachvortragenden?

Was mich unruhig stimmt: Websites und Plattformen, Apps und Social Media Kanäle scheinen, trotz immer weniger besetzten Redaktionen, trotz der rasenden digitalen Transformation immer noch ein Stiefkind im Lehrplan zu sein

Kaufmännisches Denken – Fehlanzeige, aber das kann fatal sein, wenn man ein Konzept schreiben solle, ohne seine Entstehungskosten im Kopf zu haben.

Was mich happy stimmt: Unser Mitarbeiterdialog stimmt, denn fast alle Befragten meine, dass sie den Beruf auch „learning by doing“ bei uns lernen hätten können (Aber gleichzeitig auf das universitär Gelernte gerne zurückgreifen)

Mein Fazit: An den Universitäten und FH´s besteht Nachholbedarf in den neuen Dialogkanälen und – disziplinen. Das notwendig Rüstzeug für die Contentmacher und Storyteller wird jedoch ausreichend und variantenreich vermittelt.

Das finanziell notwendige Rüstzeug für ein erfolgreiches Projekt oder gar eine angestrebte Selbständigkeit: Salto Nullo.

Christoph

Die Antworten auf die Fragen findet ihr eingeteilt nach Ausbildungsinstitutionen:

Frage 1:
Welche PR Ausbildung machst Du/ hast Du gemacht – und an welchem Institut

1 Absolvent: FH Joanneum Graz – Journalismus und Public Relations
4 Absolventinnen: Uni Wien (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
1 Absolventin: WIFI Wien: Diplomlehrgang PR

Frage 2: 
Wie sieht der Praxisbezug im Social Media Bereich (z.B. Instagram) aus:

Joanneum: Praxisbezug ist da, die „angesagten“ Netzwerke/Plattformen/Systeme verändern sich aber sehr rasch. Fortbildung / Workshops zu empfehlen, um am aktuellen Stand zu bleiben.

UniWien:

  • Wenig bis gar nicht eingebunden
  • Instagram – kaum behandelt (nur bei freien Wahlfächern „Theater-, Film- und Medienwissenschaften“ (z.B. Fach Medienkompetenz)
  • Der Bereich Social Media ist im Publizistik-Studium ein großes Thema, dennoch eher theoretisch als praktisch basiert. Wird sehr häufig für Abschluss- bzw. Seminararbeiten verwendet.

Wifi: Der Praxisbezug ist nicht so groß, es wird aber versucht anhand von tagesaktuellen Beispielen theoretische Inputs zu untermalen

Frage 3:
Wie sieht der Praxisbezug in Richtung Websites/ Webplattformen und Apps aus

Joanneum: Praxisbezug ist da, die „angesagten“ Netzwerke/Plattformen/Systeme verändern sich aber sehr rasch. Fortbildung / Workshops zu empfehlen, um am aktuellen Stand zu bleiben.

UniWien:

  • Hauptsächlich inhaltliche Befüllung und Betreuung von Websites via CMS
  • Ebenfalls wenig bis gar nicht eingebunden.
  • Apps wurden nur leicht gestreift, aber Website wurde teilweise näher erläutert (vor allem im Magisterstudium)

Wifi: Am Wifi wird betont, dass vor allem bei Websites immer auch die CI und die richtige Sprache zu achten ist. Bild und Sprache müssen zum Unternehmen passen

Frage 4:
Wie sieht der Praxisbezug in Richtung Filmproduktion plus On- Location Management aus

Joanneum: Sehr gute Vorbereitung mit Praxisbezug in Richtung journalistische Video-Gestaltungsformen und Produktion – im PR-Bereich ist die Bandbreite an möglichen Gestaltungsformen so breit, dass man das kaum umfassend abdecken kann.

UniWien:

  • Hauptsächlich Street Interviews
  • Je nach ausgewähltem Kurs war Filmproduktion ein Thema. Wenn man aber nicht speziell diesen Kurs gewählt hat, wurde es nicht behandelt.
  • Selten bis kaum – Praxisbezug nur durch mein freies Wahlfach „Theater-, Film- und Medienwissenschaften“.
  • Kann als Praxisfeld belegt werden – habe ich jedoch persönlich nicht gemacht.

Wifi: Wurde nicht behandelt

Frage 5:
Was konntest Du aus dem Gelernten NIE in der Agentur umsetzen

Joanneum: Den Russisch-Unterricht. Kroatisch wäre besser gewesen – wenigstens für den Urlaub 😉

UniWien:

  • Empirische Forschung
  • Vieles, da es sehr theoretisch angelegt war. Praxis kam leider weniger vor
  • Interne Kommunikationstaktiken und Krisenmanagement, da der Schwerpunkt der Agentur auf anderen Themenbereichen liegt.

Wifi: Nie umsetzen bei alphaaffairs konnte bzw. musste ich bisher zum Glück auch nicht Krisenmanagement und Lobbying

Frage 6:
Wie gut ist der Unterricht in Sachen Konzeption und Verfassen von Konzepten

Joenneum: Sehr gut.

UniWien:

  • Eher mittelmäßig bzw. sehr von einzelnen Seminaren und praxisbezogenen Übungen und den jeweils lehrenden Personen abhängig
  • Schon gut, aber auch sehr an der Theorie orientiert. Das Verfassen von Konzepten passiert im Alltag anders, als das was wir gelernt haben.
  • Sehr gut und ausführlich; man muss sich die Dinge aber selbst erlernen und aneignen

Wifi: Am Wifi war der Unterricht zwar gut, das Konzeptionieren und Verfassen von Konzepten kam aber leider zu kurz – denke aber das kann auch schwer gelehrt werden

Frage 7:
Lernt ihr auch wirtschaftliche Backgrounds (z.B. Kampagnenberechnung)

Joanneum: Wirtschaftlicher Background (Theorie), ja – Kampagnenberechnung nein

UniWien:

  • Nein, gar nicht.
  • Je nach Wahl des Schwerpunktes wird auch auf wirtschaftliche Background eingegangen. In Reaktionsmanagement haben wir wichtige Zahlen und Fakten vermittelt bekommen.
  • Durch mein BWL-lastiges Abitur und dadurch, dass zumindest in einem meiner Seminare näher auf diesen Punkt eingegangen wurde (in dem ein oder anderen Seminar wurde es allenfalls angerissen), sind mir wirtschaftliche Aspekte bzw. Punkte einer Kampagnenberechnung nicht ganz fremd. (so auch Punkt 6): wurde in einem Seminar behandelt, ansonsten leider nie – also eher dürftig )

Wifi: Nein, eher nicht

Frage 8:
Was hat euch am Studium besonders gefallen?

Joanneum: Pflichtpraktika, sehr gutes Betreuungsverhältnis (wenige Studierende pro Professor/Lehrperson)

UniWien

  • Laufend neue Denkanstöße zu erhalten und eine Freundin fürs Leben gefunden zu haben☺
  • Nix
  • Eigenständiges Arbeiten, Neues erforschen und ausarbeiten und fürs Leben allgemein lernen, selbstständig Projekte initiieren und abschließen
  • Mir hat besonders die Vielfalt des Lehrpersonals gefallen – darunter waren einige besondere und individuelle Persönlichkeiten, die mit ihrem fachlichen Know-How aus der Medienbranche begeistern und immer wieder aufs Neue Lust auf das Berufsleben machen konnte.

Wifi: Die vielfältigen Möglichkeiten Menschen zu informieren samt der Bandbreite die PR abdeckt

Frage 9:
Hättet ihr den Job bei alphaaffairs auch ohne Studium (Learning by doing ) gepackt?

Joanneum: Nein

UniWien:

  • Jein, weil ich noch nicht fertig bin, aber es zum einen (denke ich) als Voraussetzung für mein Vorstellungsgespräch wichtig war und es zum anderen trotzdem eine gute Basis bietet.
  • Ja, ich denke schon.
  • Vermutlich schon, da mir das Studium mehr Allgemeinwissen, als Spezialwissen für eine Agentur mitgegeben hat. Aber ich möchte das Studium nicht missen. Hätten wir in der Agentur aber z.B. den Schwerpunkt „interne Kommunikation“ und „Krisenmanagement“ könnte ich vermutlich ein paar gute Ideen einbringen.
  • Ich denke zwar, dass learning by doing die einzig wahre Möglichkeit ist, seine Talente zu nutzen, sich gewisse Fähigkeiten anzueignen und sich Stück für Stück weiter zu entwickeln. Ohne das Studium hätte mir aber dennoch eine entscheidende Wissens-Grundlage gefehlt, die den Ablauf in kreativen Agenturen zumindest theoretisch beschreibt.

Wifi: Ich war froh nebenbei am Wifi gewesen zu sein, da vieles klarer und logischer wurde – aber wahrscheinlich ja – hätte dann mehr meine Kollegen fragen müssen 😉

Frage 10:
Was würdet ihr an der universitären / institutionellen Ausbildung reformieren?

Joanneum: Bessere / praktikums-freundlichere Gestaltung der Stundenpläne, damit man bereits während des Studiums arbeiten kann.

UniWien:

  • Viel mehr Praxis und Anrechnung von Berufserfahrung bzw. Praktika (da es für die Ausbildung wichtig ist, aber meistens das Studium beeinträchtigt).
  • Mehr Praxis, weniger Theorie. Und vor allem mehr Bezug zu aktuellen Themen.
  • Praxis, Praxis & Praxis. In Agenturen und Redaktionen gehen. Den Redakteuren und PRlern beim Arbeiten zusehen (vor allem was Timing betrifft). Einen Einblick in die Welt bekommen, wie das Business heute läuft.
  • In der Publizistik ist alles sehr stark auf den wissenschaftlichen Bereich und die Forschung bezogen, was mir persönlich nicht so sehr gefallen hat. Es sollte ein stärkerer Fokus auf die Praxis gelegt werden – bspw. ein verpflichtendes Praxissemester wie an der FH oder andere Möglichkeiten, sich praktisch weiter zu bilden.

Wifi: Mehr Praxisbezug und mehr best practice Beispiele mit Begründung weshalb

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