„Hello, hello turn your radio on…“

„Hello, hello turn your radio on…“

By 25. September 2017 Über uns No Comments
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Die Digitalisierung ist vielleicht gerade dabei, das gute alte UKW Radio zu radikalisieren. Seit längerem gibt es europaweit Diskussionen um die Zukunft des Akustikapparates. Was sind Vor- und Nachteile einer solchen Umstellung von analogem zu digitalem Radio?

Aus Neugier und Interesse habe ich einmal recherchiert, weil ich höre wirklich leidenschaftlich gerne Radio und das SOGAR mehrmals täglich. Mein Tag startet eigentlich seit Jahrzehnten immer gleich, nämlich mit dem Weckruf aus dem Radio. Nur im Urlaub wird ihm zumindest beim Aufstehen eine Sendepause gegönnt. Allerdings kann es ihm passieren, dass er bereits zum Frühstück Berichterstattung geben muss. Cool ist, dass uns in Österreich ein ziemlich gutes und breites Angebot, das sich von diversen Unterhaltungsprogrammen, Klassik, alternativ bis hin zu informativ und noch weiter erstreckt, offeriert wird. Nur um zu unterstreichen, wie grandios ich das Medium Radio finde, gestehe ich einsichtig und leicht süffisant, dass ich neben dem besagten Weckradio mittlerweile eine leicht übertriebene Sammlung an UKW-Empfängern besitze. Es befinden sich mehr Radios als Personen in meiner Wohnung und auf ein Zimmer kommen ca. 3,5 Geräte. Um genau zu sein sind es vier herkömmliche, ein Kurbel- und ein WLAN-Radio. Alle anderen technischen Geräte, mit denen ein Streaming möglich wäre nicht miteingerechnet und möglicherweise, aber nur möglicherweise gesellt sich noch einer mit DAB+ Anschluss dazu. Jetzt ist der eine mehr oder weniger auch schon wurscht …

Wieder zurück zur möglichen Veränderung der Radioempfangsart:

Die Vorteile von Digital Audio Broadcasting+ kurz DAB+ sind: weniger Energieverbrauch, mehr Sender  können empfangen werden (ca. 15-mal so viele wie mit der Ultrakurzwelle), mehr Vielfalt, mehr Innovation, der Empfang ist besser und in Krisensituationen fungiert es als ein verlässliches Medium.

Die Nachteile sind: herkömmliche Radios müssen gegen jene mit DAB+ Anschluss getauscht werden sowie die Kosten der Umstellung sind extrem hoch und werden auch von uns SteuerzahlerInnen mitfinanziert. Ebenso ist es fraglich, ob die HörerInnen diese Umstellung möchten und somit auch nützen würden bzw. die Umstrukturierung des Hörfunks wirklich notwendig ist, da das analoge Radio und das Beziehen von Radiosendungen via Internet ebenso alles abdeckt, wie es das digitale Fernhören würde.

Die einzelnen europäischen Länder sind sich bis heute noch nicht eins, was die Zukunft des Radios betrifft. Von Nord-West bis Süd-Ost gibt es erhebliche Unterschiede. Wohingegen Norwegen bis Ende 2017 vollständig auf DAB+ umrüstet und beschlossen hat, UKW abzuschalten, Dänemark verwendet DAB+ recht flächendeckend, so auch Großbritannien und Italien. Deutschland und die Schweiz haben sich dazu entschlossen nach und nach auf DAB+ umzusteigen. Im Süden und Osten von Europa ist man sich noch unschlüssig über das weitere Vorgehen im Bereich Hörfunk. In Frankreich liegt eine ähnliche Situation vor wie bei uns zu Lande: Die großen Radiosender haben nicht die Absicht auf DAB+ umzustellen.

In Österreich sollte der Regelbetrieb für digitales Radio ab 2018 beginnen, allerdings lehnt der ORF und Kronehit die geplante Umrüstung derzeit ab. In Österreich ist seit 2015 laut digitalradio-österreich.at „der digitale Hörfunk im Pilotbetrieb im Großraum Wien mit 15 Radioprogrammen zu empfangen. Im Regelbetrieb sollen bereits im Jahr 2020 knapp 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung technisch erreicht werden können.“ Welche Sender mittlerweile auch über DAB+ gehört werden können, sind ebenfalls auf oben genannter Website nachzulesen. Der ORF ist wie bereits erwähnt nicht Teil des Projekts, allerdings hat die ORF Sendertochter ORS an der Ausschreibung der Medienbehörde KommAustria teilgenommen und erwartet „im Lauf des Jahres 2017 (…) eine Entscheidung der Behörde zur Vergabe dieser Multiplex Plattform.“

Kurz: Wohingegen andere europäische Länder bereits Nägel mit Köpfen machen, befinden wir uns noch im Testlauf, ohne zukunftsweisenden Prognosen. Ob nun die Ultrakurzwelle der digitalen terrestrischen Empfangsart weichen muss, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall können wir jetzt bereits eine Veränderung in der Konsumation des Mediums Radio feststellen. Seitdem auch über das Internet Radiosendungen bezogen werden können, erfreuen sich downloadbaren Potcast immer größerer Beliebtheit. So kann das Radioprogramm (nach erfolgter Ausstrahlung) on-demand und unabhängig der Sendezeit auch von unterwegs nachgehört werden. Zuvor konnte Radio stets nur live genossen werden, heute können die gesendeten Inhalte zeit- und ortsunabhängig abgerufen werden. Der aktuelle Diskurs um die Zukunft des Radios ist sich einig, dass das Smartphone hierbei eine größere Rolle spielen werde und das Radio müsse einfach und unkompliziert bedienbar sein, um in der digitalen Welt bestehen zu können.

Es bleibt also spannend, wie es mit dem Radio weitergehen wird. Feststeht, es befindet sich bereits im digitalen Wandel und vieles ist noch möglich 😉

Silvia

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