Der Gutmensch in Verruf geraten

Der Gutmensch in Verruf geraten

By 11. April 2016 News, Trends No Comments
Gutmensch

Dem Wort „Gutmensch“ werden viele Gesichter zugeschrieben, doch wer oder was steckt dahinter?

Der Duden definiert den „Gutmensch“ als „[naiven] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält (und) sich für die Political Correctness einsetzt.“

Erstmals in den Rechtschreibduden aufgenommen wurde der Begriff im Jahr 2000. Elf Jahre danach schaffte es der „Gutmensch“ bei der Wahl zum Unwort des Jahres bereits auf Platz zwei. Letztes Jahr ist das Wort „Gutmensch“ in Deutschland zum Unwort des Jahres gekürt worden.

Der Begriff „Gutmensch“ wird seit 2015 meistens im Zusammenhang mit dem Thema rund um Flüchtlinge verwendet. Das Unwort 2015 bezieht sich auf jene, die freiwillig und unentgeltlich Flüchtlingen helfen und sich öffentlich negativ zu den Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte äußern. Dem „Gutmensch“ werden, bezogen auf seine Toleranz und Hilfsbereitschaft, die Eigenschaften dumm und naiv zugeschrieben. Des Öfteren findet sich das Wort „Gutmensch“ in der Politik wieder gerne in Form von Diffamierungen. Ironisch komisch, dass ein Begriff der auf semantischer Ebene positiv belegt ist, in pragmatischer Ausführung stark negativ konnotiert ist.

Heuer nicht den ersten Platz belegt, jedoch gerügt, wurden die Wörter „Hausaufgaben“ (in Verbindung mit Griechenland) und „Verschwulung.“ Unabhängig zur Wahl des Unwortes gibt es jährlich auch ein Voting zum Wort des Jahres. 2015 war es der Ausdruck „Flüchtlinge“, da es in der deutschen Sprache momentan prominent vertreten ist, so begründet die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden ihre Wahl.

Die Aktion „Unwort des Jahres“ hat das Ziel auf undifferenzierten öffentlichen Sprachgebrauch aufmerksam zu machen. Die Gesellschaft soll dazu bewegt werden, sich kritisch mit Sprache auseinanderzusetzen und gleichzeitig eine Sprachsensibilität aufzubauen. Schließlich ist Sprache eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen. Gewählt wird das Unwort des Jahres durch eine unabhängige sechsköpfige Jury in Darmstadt, von der Gesellschaft für deutsche Sprache. Die Voraussetzung für die Wahl ist das Interesse und Mitwirken der Gesellschaft. Jeder kann mitwählen und seinen Vorschlag für das Unwort des Jahres bis zum 31.12. schriftlich einschicken inklusive einer kurzen Erklärung, weshalb sich die Einsendung als Unwort eignet. Aus allen eingelangten potenziellen Unwörtern wählt die sprachkritische Jury eines aus. Die Aktion „Unwort des Jahres“ ist der Meinung, dass Unwörter vor allem öffentlich bzw. medial „gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden.“ Somit ist das Unwort des Jahres nicht als Bestätigung sondern als Anregung zu verstehen, sich mit dem öffentlichen Sprachgebrauch zu befassen.

Jährlich werden wir also auf jene Wörter hingewiesen, die mit bedeutungsschweren Aussagen gespickt und der Allgemeinheit oftmals nicht bewusst sind. Das Vorhaben der Aktion ist klar. Wir, als deutschsprachige Gesellschaft, werden dazu angehalten, medial immer wiederkehrende Begrifflichkeiten auf deren ursprüngliche Bedeutung bzw. Verwendung zu prüfen und nicht unreflektiert von ihnen Gebrauch zu machen. Somit prüfe was Dir von den Lippen kommt bzw. von der Hand geht!

Silvia

 

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