Der Brexit hat begonnen. Wien – mach Dich nicht nur schön, sondern auch fit!

Der Brexit hat begonnen. Wien – mach Dich nicht nur schön, sondern auch fit!

By 31. Juli 2017 News, Trends No Comments
Vienna

Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt! Das weiß eine Agentur wie alphaaffairs, die seit vielen Jahren die coolsten Plätze für die Stadt, mit der Stadt bzw. in der Stadt bespielt, natürlich längst. Das wissen, aber auch die Beratungsprofis von Mercer, die mit beeindruckender Regelmäßigkeit seit mittlerweile acht Jahren Wien in ihrem „Quality of Living“ Ranking als lebenswerteste Stadt der Welt an erster Stelle ranken – in der Regel vor Zürich, München, Vancouver und Montreal. Auch bei Start-up’s ist Wien gefragt – das Online-Portal Tech Cocktail sieht Wien immerhin als Top 6 Start-up Hub weltweit, noch vor Paris oder Hongkong.

Doch: Wer Start-up sagt, muss auch London sagen. Denn immer noch gilt die englische Hauptstadt als Start-up Metropole Europas. Mit voranschreitendem Brexit wird sich das aber ändern; schon jetzt liegen die Opt-out of London Szenarien bei zahlreichen (noch) in der Queen-Stadt angesiedelten Unternehmen aller Größenordnungen fix und fertig in der Schublade.

Ist Wien tatsächlich Brexit-fit?

Noch wollen viele in London etablierte Unternehmen und Organisationen die ersten Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen abwarten, bevor sie endgültig über eine Re-Location entscheiden. Hinter den Kulissen wird aber bereits intensivst nach neuen Standorten Ausschau gehalten – bzw. über Standortvorteile nachgedacht und verhandelt.

So ist z.B. das Rennen um die bislang in London angesiedelte EU-Agentur für Arzneimittel (EMA) bzw. um die EU-Bankenaufsicht (EBA) in den verbleibenden EU-Metropolen schon voll entbrannt. Während der eher lasche Wiener Finanzmarkt wohl kaum zum neuen Hafen für die Bankenaufsicht werden wird, sind Wiens Karten für die Arzneimittel-Agentur scheinbar gut gemischt. So zählt Wien unter den insgesamt 23 EU-Städten, die sich für die Übernahme der EMA von London beworben haben, zu den fleißigsten und engagiertesten Bewerbern. Nicht von ungefähr – hat doch eine Studie des IHS errechnet, dass das österreichische Bruttoinlandsprodukt bei Ansiedlung der EMA innerhalb von fünf Jahren um eine Milliarde Euro in Wien steigen kann; mit rund 9.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im gleichen Zeitraum.

Talente, Offenheit und Entscheidungsfreude gefragt

Gute Voraussetzungen also für Wien, zu einem der Brexit-Winner werden zu können. Hohe Lebensqualität, historische Pracht und schicke Arbeits- bzw. Wohnangebote werden allerdings nicht ausreichen, um die Strahlkraft für London-flüchtige Unternehmen attraktiv genug zu gestalten. Man wird sich auch in vielen anderen Bereichen deutlich mehr Mühe geben müssen, um tatsächlich begehrtes Ziel für den internationalen Markt zu werden. Es gilt, das Angebot auf allen Ebenen zu öffnen und zu erweitern: Talente aus allen Fachbereichen, mit internationaler, multikultureller Perspektive, müssen das Potenzial von Wien als dynamisches Pflaster erkennen können; mitunter lähmende administrative Prozesse müssen modern, digital, rasch und vor allem lösungsorientiert ablaufen; Investitionen und Veränderungen müssen herausgefordert und nicht möglichst lange bürokratisch verhindert werden; Unternehmensgründungen und neue Selbstständigkeit müssen als Zukunftschance erkannt und nicht als mögliche Abgabenopfer geschröpft werden.

Eine neue Gründerzeit?

Lebenswerte Alternative zu London sein zu wollen ist eine Sache. Die tatsächliche Alternative zu sein und bei potenziellen Brexit-Abwanderern auch wirklich als zeitgemäße, innovationsfreudige, offene und fördernde Alternative wahrgenommen zu werden, ist aber eine andere Geschichte. Die Weichen dazu werden in den nächsten 12-24 Monaten gestellt. Es gilt daher, sich auf die Potenziale zu konzentrieren – nach vorne zu schauen, mutig zu sein und das Lebens- und Liebenswerte der Stadt mit der Bereitschaft zu technologischem Wandel, Exzellenz in der Bildung, internationalem und multikulturellem Geist und unbürokratischem Gründer-Spirit zu verknüpfen.

Wien hat’s drauf. Wien muss es aber auch wollen – und: tun!

Florian

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