„Da freut er/sie sich“ – Ein Abgesang auf eine Floskel!

„Da freut er/sie sich“ – Ein Abgesang auf eine Floskel!

By 4. Dezember 2017 Über uns No Comments
Freude

Wie die meisten LeserInnen unseres Blogs wissen, bin ich kein klassischer PRler sondern Kreativer, der das Schreiben bei seinem Deutschprofessor am Gymnasium erlernt hat. Herr Prof. Friedrich war beseelt von Ödön von Horvath, Hemingway oder Orwell, liebte Lessing oder Schiller genauso, wie Christine Busta oder HC Artmann und vermittelte uns Freude und Bewunderung an den unterschiedlichsten Stilen und Zugängen und damit auch die Freude am Lesen. Die geht mir komplett ab, wenn ich in Business-, Karriere- oder Special Interest Medien die Floskel lese, wie z.B. „…freut sich Max Musterhuber, Chef von XY, über die gelungene Kampagne“.

Naja, auch bei unseren Textentwürfen freuen sich unsere Kunden über das nächste Produkt, die nächste Kampagne, ein erfolgreiches neues Segment im Markt oder über einen Neuzugang im Team. Sofern ich sie zu lesen bekomme, versuche ich die Freude einzudämmen und schlage vor, dass jemand ruhig etwas „sagen“ kann, ohne dass der Text schwächer wird (Hemingway verwendete ausschließlich „sagte“ und „dachte“) oder feststellen, oder erzählen, oder erklären etc.

Was ist Freude?

Ein schöner Götterfunken, eine neue Liebe, ein wirklicher Erfolg, ein neues Leben auf der Welt, ein Gewinn im Lotto, ein gemeinsamer Lacher in geselliger Runde, ein Sonnenaufgang am Morgen, eine geschaffte Nachprüfung des Nachwuchses, so empfinde halt ich.

Was sagen die RedakteurInnen und BloggerInnen, wenn sie so eine Freudenmeldung bekommen? Ich kann´s mir gut vorstellen, so in der Redaktion um 15 Uhr – „He, da g´freit si scho wieder ana!“ Dann beginnt er seinen KollegInnen genussvoll die Aussendung über ein neues Joghurt vorzulesen und erhellt den Nachmittag für ein paar Minuten.

Ich denke mir, dass „Freuen“ ein schönes Wort ist, Freude ein Zustand, den man genießen sollte, denn sie kommt selten geplant – und umso sparsamer und sorgsamer sollte man mit diesem schönen Wort umgehen.

Über Ihr Interesse oder sogar Ihre Zustimmung

…freut sich Christoph Mahdalik

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